Mein Ehrenamt bei der AIIC: Wie freiwilliges Engagement Beruf und Gemeinschaft prägt

Seit meinem Beitritt zur AIIC im Jahr 2000 hat mich mein ehrenamtliches Engagement auf eine außergewöhnliche Reise geführt – eine Reise, die nicht nur meinen beruflichen Werdegang bereichert, sondern mir auch gezeigt hat, wie wichtig gemeinschaftliches Handeln für unseren Berufsstand ist. Ehrenamtliche Arbeit ist für mich mehr als ein Beitrag zum Berufsverband: Sie ist eine Investition in die Zukunft unserer Branche, in den Austausch zwischen Kolleg:innen und in die Werte, die uns verbinden.
Brücken bauen: Gebärdensprachdolmetschen und Netzwerke
Alles begann 2001, als ich das Mandat für Gebärdensprachdolmetschen in der Region Deutschland übernahm. Meine Aufgabe war es, den Dialog mit den Gebärdensprachdolmetscherverbänden in Deutschland zu stärken – eine Arbeit, die mir bewusst machte, wie entscheidend Inklusion und Vernetzung für unsere Profession sind. Dieser Gedanke prägte auch meine spätere Mitgründung des AIIC-Netzwerks für Gebärdensprachdolmetschen im Januar 2009. Gemeinsam mit engagierten Kolleg:innen schufen wir auf der internationalen Versammlung in Nizza ein Netzwerk, das bis heute Laut- und Gebärdensprach-Konferenzdolmetscher verbindet und den Austausch über Grenzen hinweg fördert. Bis 2016 habe ich dieses Netzwerk als Koordinatorin begleiten und erlebte hautnah, wie gezielte Initiativen die Sichtbarkeit und Qualität unserer Arbeit steigern können.
Gemeinsam gestalten: Von der Ausbildung bis zur Nachhaltigkeit
2007 trat ich der AIIC-Gruppe für Ausbildung und berufliche Weiterbildung (ATPD) bei, wo ich bis 2014 mitwirkte. Hier ging es darum, Standards zu setzen und Weiterbildungsmöglichkeiten zu schaffen – eine Aufgabe, die mir zeigte, wie sehr wir voneinander lernen können. Später, von 2015 bis 2018, vertrat ich die deutsche Region im Beirat der AIIC und war im ersten Jahr sogar Teil des Lenkungsausschusses. Besonders am Herzen lag mir das deutsche Nachhaltigkeitsprojekt für unseren Berufsstand: Wie können wir unsere Praxis umweltfreundlicher gestalten und unsere Arbeitsbedingungen langfristig sichern? Ein konkretes Ergebnis dieser Zeit war außerdem die Neuauflage der subregionalen Treffen – ein Format, das Kolleg:innen seither regelmäßig die Möglichkeit gibt, sich zwischen den jährlichen Versammlungen auszutauschen, ob online oder persönlich.
Verantwortung übernehmen: Zulassung, Ethik und die Zukunft der AIIC
Von 2022 bis 2023 unterstützte ich den Ausschuss für Zulassung und Sprachklassifizierung (CACL). Hier arbeitete ich mit an der Prüfung von Mitgliedschaftsanträgen, der Aktualisierung von Informationsmaterialien und dem Projekt „AIIC4000“, das die Organisation fit für die Zukunft machen soll. Die Zusammenarbeit mit dem ExCo und dem Beirat war dabei eine wertvolle Erfahrung: Sie zeigte mir, wie wichtig transparente Prozesse und klare Kriterien für die Qualität unserer Gemeinschaft sind.
Nach einer kurzen Pause meldete ich mich 2025 erneut freiwillig – diesmal als Mitglied des Disziplinar- und Streitbeilegungsausschusses (DDC), gewählt von der Versammlung. Diese Rolle ist für mich eine besondere Verantwortung: Sie erfordert nicht nur Fachwissen, sondern auch ein Gespür für Fairness und den Willen, Konflikte konstruktiv zu lösen.
Warum Ehrenamt mehr als „nur“ Arbeit ist
Rückblickend hat mich mein Engagement bei der AIIC in vielerlei Hinsicht geprägt:
- Beruflich habe ich unschätzbare Einblicke gewonnen, mein Netzwerk erweitert und meine Fähigkeiten in neuen Kontexten erprobt.
- Persönlich habe ich gelernt, wie bereichernd es ist, sich für eine gemeinsame Sache einzusetzen – und wie viel man dabei über Teamwork, Leadership und sogar über sich selbst erfährt.
- Gesellschaftlich bin ich überzeugt: Ehrenamt stärkt den Zusammenhalt in unserem Berufsfeld. Es sorgt dafür, dass Wissen geteilt wird, dass Neue willkommen geheißen werden und dass wir als Gemeinschaft handlungsfähig bleiben.
Vor allem aber hat mich die Arbeit mit unzähligen Kolleg:innen gelehrt, dass Exzellenz und Gemeinschaft kein Widerspruch sind. Im Gegenteil: Gerade weil wir uns gegenseitig unterstützen, können wir Standards setzen und unsere Profession weiterentwickeln.
Ich bin zutiefst dankbar für die Begegnungen, die ich durch die AIIC machen durfte – für die Mentor:innen, die mich inspiriert haben, und für die Kolleg:innen, mit denen ich gemeinsam etwas bewegen konnte. Gleichzeitig möchte ich alle ermutigen, die überlegen, sich einzubringen: Ehrenamt ist kein Einbahnstraße. Es fordert uns heraus, es bereichert uns – und es gibt uns die Chance, aktiv mitzugestalten.
01.12.2025